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Frühförderung – Fragen und Antworten auf einen Blick

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1. Was ist Frühförderung?

Es sind die Jahre der frühen Kindheit, in denen Menschen Sprache, Motorik und soziale Kompetenzen erlernen. Kaum jemand mag sich daran erinnern, wie es war, die eigene Muttersprache zu lernen. Dies liegt daran, dass wir diese Fähigkeit bereits in jungen Jahren ausbilden, also in einer Zeit, an die wir kaum Erinnerungsvermögen haben. Für das Vorankommen des Kindes sind diese Jahre, die von der Geburt bis zum Schuleintritt reichen, besonders wichtig für ihre Weiterentwicklung. Kinder mit Behinderung oder mit anderen Entwicklungsauffälligkeiten bedürfen allerdings oftmals einer besonderen Förderung ihrer sprachlichen, motorischen und sozio-emotionalen Fähigkeiten, da ihre Entwicklung verlangsamt stattfindet. Diese Art der Unterstützung nennt sich Frühförderung und ist ein ganzheitlicher Therapieansatz der Heilpädagogik.

2. An wen richtet sich Frühförderung?

Frühförderung richtet sich an Kinder von 0 bis ca. 6 Jahren, die von einer Behinderung betroffen oder von einer solchen bedroht sind. Darüber hinaus unterstützt Frühförderung Kinder mit Entwicklungsdefiziten. Diese Störungen sind meist unterschiedlich ausgeprägt und zeigen sich auf verschiedene Weise. Die Frühförderung hilft ihnen, sprachliche und geistige Fähigkeiten auszubilden, sodass sie bestmöglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Nicht nur den Kindern kommt die Frühförderung zugute: Auch ihre Eltern profitieren von der Therapie, da sie professionelle Beratung und Unterstützung erhalten.

3. Wie funktioniert Frühförderung?

Die Frühförderung arbeitet interdisziplinär und umfasst deshalb eine große Bandbreite an Therapiemethoden. Ihre Maßnahmen reichen von Logopädie bis Ergotherapie und Physiotherapie. Anhand der individuellen Gesamtsituation des Kindes wird entschieden, welche Kombination von Therapiepaketen der Situation angemessen ist.

4. Woran erkennt man Kinder mit Förderungsbedarf?

Folgende Anzeichen können dafür sprechen, dass ein Kind Entwicklungsstörungen aufweist und möglicherweise einer Frühförderung bedarf:

Soziale Fähigkeiten

Kinder, deren soziale und emotionale Fähigkeiten einer Förderung bedürfen, sind meist unkontrollierbar, leiden an mangelndem Selbstvertrauen, sind entweder sehr unruhig oder stark in sich gekehrt, widersetzen sich Autoritäten und handeln meist affektgeleitet. Dabei sind emotional-soziale Probleme die am meisten behandelten Störungsbilder in der Frühförderung. Werden derartige Probleme erkannt, können Kinder gezielt dabei unterstützt werden, im sozialen und emotionalen Leben mehr Stabilität und Sicherheit zu erlangen.

Sprache

Häufiges Zeichen für ein Entwicklungsdefizit ist das späte Erlernen von Sprache und das verspätete Ausbilden eines ausgeprägten Wortschatzes. Die Logik der Sprache entzieht sich den Kindern zumeist und sie sind überfordert davon, Sätze zu bilden und Wörter korrekt zu verwenden. In manchen Fällen entstehen auch erst später logopädische Schwierigkeiten. Viele Kinder sind von verbalen Unterentwicklungen betroffen, was dazu führt, dass in fast jeder Frühförderungstherapie auch eine Sprachförderung inbegriffen ist.

Motorik

Die Motorik des Menschen gliedert sich in die Bereiche Grob-, Fein- und Graphomotorik. In jedem dieser Gebiete können Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten Probleme vorweisen.

Haben Kinder Schwierigkeiten damit, rückwärts zu laufen, auf einem Bein zu stehen oder über einen Gegenstand zu springen, gehört dies zu einer Einschränkung grobmotorischer Fähigkeiten. Diese Schwierigkeiten resultieren oftmals in einer verminderten Freude daran, sich zu bewegen und den eigenen Körper einzusetzen. Auch der Gleichgewichtssinn kann mitunter betroffen sein.

Beobachtet man Kleinkinder dabei, wie sie zum ersten Mal nach einem Gegenstand greifen, so bedienen sich dabei des Faustgriffs, der meist noch sehr unkontrolliert ausgeführt wird und vor allem anfangs ins Leere geht. Erst mit dem Alter entwickeln Kinder eine Feinmotorik, die sie dazu in die Lage versetzt, Finger einzeln zu bewegen und mit Daumen und Zeigefinger den sogenannten Pinzettengriff auszuführen. Kindern, denen diese Fingerdifferenzierung schwer fällt, haben feinmotorische Defizite, die sich beispielsweise dadurch äußern, dass sie ihre Kraft nicht einschätzen können und unabsichtlich grob zu ihren Mitmenschen sind. Sie haben Probleme dabei, kleinere Objekte zu greifen und mit Fingerspitzengefühl Bewegungen auszuführen.

Darüber hinaus gehört auch die Graphomotorik zur Feinmotorik. Kinder mit verringerten Fähigkeiten der Graphomotorik weisen oftmals eine verkrampfte Stifthaltung auf, wobei ihnen die Aktivitäten Zeichnen und Malen kaum Freude bereiten und sie ganz im Gegenteil dabei Anstrengung empfinden. Gegenstände zu abstrahieren und auf einem Papier sichtlich zu machen, fällt Kindern, die einer Frühförderung bedürfen, äußerst schwer. Die Zeichenfähigkeiten sind bei diesen Kindern nicht altersgerecht entwickelt oder fehlen vollständig. Weist ein Kind im Kindergartenalter Zeichendefizite auf, so resultiert dies meist in einer Form der Frühförderung.

Wahrnehmung

Eine Vielzahl an Definitionen zieht der Begriff „Wahrnehmung“ mit sich. Er beinhaltet eine ebenso weitreichende Vielzahl an Entwicklungsstörungen. Diese Defizite können in jeder Entwicklungsstufe auftreten und sind abhängig von der jeweiligen Phase, in der sich die Kinder befinden. Oftmals wenden sich Eltern an die Frühförderung, wenn ihre Kinder „nicht hören wollen“ und ihren Anweisungen keine Beachtung schenken. Diese als Ungezogenheit missinterpretierte Form der Beeinträchtigung in der Wahrnehmung ist eine Konsequenz daraus, dass diese Kinder Anweisungen nicht verstehen und diese folglich auch nicht umsetzen können. Sie können außerdem Konzentrationsprobleme und unterentwickelte sprachliche sowie mathematische Fähigkeiten vorweisen.

5. Wie arbeitet die Frühförderung?

Wie läuft eine Frühförderungstherapie ab und wer führt sie durch? Da es sich bei der Frühförderung um eine ganzheitliche Therapie handelt, werden einzelne Therapiemaßnahmen individuell auf das Kind abgestimmt. Damit ein Kind Frühförderung erhält, müssen einige Punkte beachtet werden. So ist es beispielsweise wichtig zu klären, von wem Entwicklungsschwierigkeiten diagnostiziert werden können, wer die Kosten einer Behandlung trägt und wer den Behandlungsablauf festlegt.

Das Erstgespräch

Ein Erstgespräch findet unverbindlich statt und dient Beratern sowie Eltern verhaltensauffälliger Kinder, die Situation des Kindes und seine Entwicklungslage einzuschätzen. Hier wird geklärt, ob eine Behandlung notwendig ist und wenn ja, ob die Frühförderung die geeignetste Maßnahme darstellt. Dieses kostenfreie Gespräch nehmen die Eltern ohne Beisein des Kindes wahr und klären mit dem Berater erste Fragen.

Einschätzung und Diagnose

Sollte das Erstgespräch einen Verdacht auf frühförderungsbedürftige Entwicklungsstörungen aufgeworfen haben, wird ein zweiter Termin anberaumt, der einer eingehenden Diagnostik des Kindes gewidmet ist. Dieses entwicklungspsychologische Verfahren wird von einer Fachkraft durchgeführt, die mit speziellen Testmethoden herausfindet, ob sich das Kind normal entwickelt oder in sprachlichen, motorischen und sozio-emotionalen Bereichen Schwierigkeiten hat. Durch spielerische Elemente fällt dem Kind nicht auf, dass es sich in einer Testsituation befindet. So werden die Ergebnisse nicht verfälscht und das Kind findet sich keiner Stresssituation ausgesetzt.

Das Ergebnis dieser sehr umfangreichen Diagnostik reicht in der Regel aus, um ein Behandlungsbedürfnis feststellen zu können. Dennoch reicht sie nicht aus, um eine Frühförderung offiziell zu beantragen. Für eine erfolgreiche Antragstellung zur Behandlung ist deshalb die fachmännische Meinung eines Kinderarztes nötig. Dieser prüft die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes und gibt abschließend seine Einschätzung zu dessen Entwicklungslage ab.

Behandlungsablauf

Nachdem sowohl das Erstgespräch, die Diagnostik und die Befunde des Kinderarztes ergeben haben, dass ein Kind einer Frühförderung bedarf, werden die Ergebnisse schriftlich festgehalten. Der daraus resultierende Förder- und Behandlungsplan umfasst die Entwicklungsstörungen des Kindes sowie die für eine Frühförderung sprechenden Gründe und einen vorläufigen Ablaufplan der Behandlung. Welche Subgruppierungen an Therapiemethoden integriert werden sollen und welche Therapiemaßnahmen geeignet sind, hält der Bericht darüber hinaus auch fest. Außerdem werden behandelnde Pädagoginnen und Pädagogen im Schreiben namentlich aufgeführt.

Bewilligung der Behandlung

Über die Durchführung einer Frühförderung entscheidet der Kostenträger, der in einem Fachausschuss zusammentritt und über den Antrag entscheidet. Der Fachausschuss setzt sich zusammen aus einem Vertreter des zuständigen Kostenträgers und dem verantwortlichen Diagnostiker. Die Eltern des Kindes sitzen dem Fachausschuss bei, indem sie die Gelegenheit bekommen, ihre Argumente für oder gegen eine Frühförderung vorzubringen. Die Entscheidung über den Behandlungsbedarf wird noch am selben Tag getroffen. Wurde der Antrag bewilligt, erhält das Kind passende Behandlungsmaßnahmen, in denen seine Fähigkeiten individuell nach der Ausgangssituation gefördert werden. Diese Maßnahmen werden im Therapieplan festgelegt und mit den Eltern besprochen, bevor die Behandlung beginnt.

Wo eine Behandlung stattfindet, ob Zuhause, in der Tagesstätte oder im Frühförderzentrum ist unterschiedlich und entscheidet sich je nach Problemlage. Die spielerische Auseinandersetzung mit dem Kind und seinen Schwierigkeiten sowie der enge Einbezug der Eltern und des sozialen Umfelds sind wichtige Elemente, die bei der Frühförderung großgeschrieben werden.

6. Welche Aussichten gibt es?

Frühförderung arbeitet ganzheitlich und ist eine Behandlungsmethode mit guten Aussichten auf Besserung, wenn sie rechtzeitig angewendet wird. Jedoch muss auch klargestellt werden, dass es Bereiche gibt, in denen die Frühförderung kaum bis gar nichts bewirken kann.

Chancen:

  • Kinder, die von Beeinträchtigungen bedroht sind, können rechtzeitig abgefangen werden
  • Defizite können frühzeitig erkannt und umfassend behandelt werden, wodurch maßgeblich zur Heilung oder Besserung beigeragen wird
  • Eltern bekommen professionelle Hilfe und Unterstützung
  • der Alltag der Familie wird in die Behandlung mit einbezogen
  • die Behandlung ist frei gestaltbar und individuell ausgerichtet

 

Grenzen:

  • Eine Frühförderung ist begrenzt auf den Zeitraum von zunächst einem Jahr, danach müssen Weiterbewilligungsanträge eingereicht werden
  • die Frühförderung gibt es ausschließlich für Kinder von 0 – ca. 6 Jahren
  • nach Schuleintritt gibt es keine passenden weiterführenden Behandlungsmaßnahmen ähnlicher Art
  • bei Inanspruchnahme von Afi ist eine Frühförderung nicht möglich

7. Wer trägt die Kosten?

Die gesetzliche Regelung zur heilpädagogischen Behandlung von Kindern im Vorschulalter ist im Sozialgesetzbuch XII geregelt. Heilpädagogische Leistungen können demnach dann in Anspruch genommen werden, wenn ein medizinisch nachweisbarer Grund hierfür vorliegt. Jedoch entscheiden die Bundesländer unabhängig voneinander darüber, wie dieser Rechtsanspruch auf Behandlung ausgestaltet wird und wer die Kosten einer Frühförderung trägt. Weitere Informationen vermittelt das jeweils zuständige Sozialministerium.

8. An wen können Eltern sich wenden?

Vor allem was die Frühförderung betrifft, ist schnelles Handeln unbedingt erforderlich. Eltern, die Entwicklungsdefizite bei ihrem Kind entdecken, sollten nicht zögern, mit ihrem Schützling entsprechende Beratungsstellen aufzusuchen. Je früher gehandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie, die den Kindern letztendlich ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.

Bei den ersten Anzeichen einer Störung ist der Kinderarzt sicherlich der beste Ansprechpartner. Er hat die Entwicklung des Kindes seit der Geburt miterlebt und ist darüber hinaus zu einer professionellen medizinischen Einschätzung in der Lage. Über Adressen und Ansprechpartner passender Frühförderungsinstitute in der Umgebung sollte der Kinderarzt bestenfalls informiert sein und diese an die Eltern weitervermitteln können.

Es ist nicht zwingend notwendig, an erster Stelle den Kinderarzt zu konsultieren. Bei Verdacht auf Entwicklungsstörungen können Eltern auch sofort in einem Frühförderzentrum vorsprechen und innerhalb der kostenfreien Erstberatung ihre Fragen klären. Beschließen die Fachkräfte der Erstberatung, dass eine Diagnose stattfinden soll, so kümmert sich das Frühförderzentrum um alle weiteren Schritte.

Neben Frühförderzentren gibt es darüber hinaus Sozialpädiatrische Zentren, in denen Eltern frei von einer Überweisung durch den Kinderarzt vorsprechen und die Situation ihre Kinder vorstellen können. Der Unterschied zu Frühförderzentren besteht darin, dass Sozialpädiatrische Zentren vor allem solche Kinder behandeln, die schwerwiegende Beeinträchtigungen vorweisen und die auf eine sehr spezielle Behandlung angewiesen sind. Für die erste Kontaktaufnahme werden deshalb zunächst Frühförderzentren oder Kinderärzte empfohlen.

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