Antibiotikaresistenzen: Ernstzunehmende Gefahr für unsere Gesundheit

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Sie sind einer der größten Triumphe der Medizin des 20. Jahrhunderts: Antibiotika. Bakterienbekämpfende Mittel, die gefährlichen Krankheitserregern den Wind aus den Segeln nehmen. Doch heute drohen immer mehr von ihnen, an resistenten Keimen zu scheitern.
Bakterien wappnen sich gegen die wirkungsvollen Arzneimittel:
Nach dem Zufallsprinzip mutieren sie, bauen undurchlässige Schutzhüllen oder Eigenschaften auf, die das Antibiotikum unwirksam machen. Dieses tötet zwar nicht-immune Erreger ab, die widerstandsfähigen aber überleben. Und nutzen sogleich ihre Chance, sich schneller zu vermehren. Resistente Gene können sie untereinander sogar weitergeben. Je häufiger Antibiotika also eingenommen werden, desto schneller breiten sich Resistenzen aus.

Zum Schrecken der Forschung vermehrt sich die Anzahl der Antibiotikaresistenzen stetig. So wächst auch die Herausforderung, bakterielle Krankheiten erfolgreich zu behandeln: Erregern gefährlicher Infektionskrankheiten wie Harnwegsentzündungen, Durchfallkrankheiten oder sogar Blutvergiftungen verhilft das zu einem immer leichteren Spiel.

Antibiotikaeinsatz in Humanmedizin

Doch warum breiten sich resistente Erreger immer weiter aus? Zu häufiger Einsatz in der Tierhaltung argumentieren die Ärzte. Zu häufiger Einsatz in der Humanmedizin klagen die Landwirte. Genauso müssen aber auch wir uns als Patienten angesprochen fühlen. Das beste Beispiel sind Atemwegsinfekte. Patienten mit starkem Husten, Schnupfen und Heiserkeit verlangen schnell wirksame Medikamente: Ärzte sähen sich im Zugzwang, wie die Apothekenumschau im April 2015 berichtet. Oft verschreiben sie dann ein Antibiotikum. Und das, obwohl rund 90 Prozent der Erkältungen durch Viren verursacht werden, gegen die Antibiotika wirkungslos sind.

Hinzu kommt, dass dann häufig Breitbandantibiotika auf dem Rezept stehen. Das sind Arzneien, die gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien wirken – im gleichen Zuge aber die Resistenzen all dieser Bakterien begünstigen. Beobachtet wird auch ein zu häufiger Einsatz von Reserveantibiotika: Medikamente, gegen die bisher nur die wenigsten Bakterien immun sind. Fest steht: In der Humanmedizin werden zu oft die falschen Antibiotika eingesetzt.

Antibiotikaverbrauch in der Tiermedizin

Aber aus der Kritik darf auch die Landwirtschaft nicht ausgenommen werden: 2012 wurden in der Tiermedizin 1619 Tonnen Antibiotika eingesetzt. In elf von 20 Proben Hühnerfleisch fand man antibiotikaresistente Keime, so die Apothekenumschau. Und diese gelangen nicht nur über tierische Lebensmittel in unseren Körper: Über Ausscheidungen landen sie in Gewässern, gelangen in unsere Umwelt und durch pflanzliche Lebensmittel als Futter zurück zum Tier oder als Nahrungsmittel zu uns Menschen. Das Ergebnis: Infektionen dauern länger an und sind schwieriger zu behandeln.

Seit Anfang 2015 müssen Landwirte ihren Antibiotikaverbrauch an die Länder melden. Ein Anfang, dennoch sinnvoller wären in der Massentierhaltung aber bessere Haltebedingungen, verbesserte Hygiene, Impfkonzepte und regelmäßige tierärztliche Untersuchungen. Trotz der Erkrankung einzelner Tiere bekommen prophylaktisch oft nämlich alle Antibiotika. Ein angemessener, durchdachter Einsatz ist unerlässlich!

Perfekte Hygiene: Das A und O für unsere Gesundheit

Eine weitere Gefahr: Die stationäre Behandlung gefährlicher Infektionen in Krankenhäusern. Diese sind wahre Herde resistenter Keime. Perfekte Hygiene ist hier unverzichtbar, die mehrmals tägliche Desinfektion von Händen und Geräten ein Muss.

Auch in unserem Alltag sollte Hygiene groß geschrieben werden: Durch regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach dem Toilettengang, Naseputzen, dem Kontakt mit Tieren oder rohem Fleisch, durch Husten und Niesen in die Armbeuge anstatt in die Hände, Lüften geschlossener Räume oder etwa die richtige Einnahme verschriebener Antibiotika kann das Risiko für Infektionskrankheiten deutlich verringert werden.

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